Es geht nur ums Geldverdienen. Unter dieser Überschrift veröffentlichte die Halterner Zeitung am 25. Mai ein Interview mit dem Sprecher der Bürgerinitiative gegen Windkraft

Interview der Woche: Windkraftgegner: Es geht nur ums Geldverdienen
HALTERN "Windkraft ist keine Alternative, allenfalls eine Additive." Walter Beuth rechnet aus, dass 23 000 Windkraftanlagen in Deutschland kein einziges Kernkraftwerk ersetzen können. Die Debatte im Landtag und die sich anbahnende Erörterung in Haltern nimmt der Vorsitzende der Bürgerinitiative gegen Windkraft zum Anlass, seinen Standpunkt in einem Interview zu verdeutlichen.Von Elisabeth Schrief

In Haltern gibt es interessierte Investoren für weitere Windkraftanlagen, aber auch Gegner. (Felix Guth)
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Sie sagen, der Ausbau von Windkraft ist eine löbliche Absicht, aber er sichert nicht die Zukunft der Energieversorgung. Warum nicht?

Windkraftanlagen sind unstete Energielieferanten, das heißt, ihre Leistungen sind stark schwankend. Da Wechselstrom nicht speicherbar ist, trotzdem jedoch eine ununterbrochene Stromversorgung gesichert sein muss, liefern zurzeit nur Kohle- und Kernkraftwerke diese so genannte Grundlast. Ohne diese Grundlast wäre der Betrieb nahezu aller elektrisch betriebenen Geräte nicht möglich. Windräder können das nicht leisten.

In Haltern plant eine Betreibergesellschaft den Bau einer Windfarm. Demnach sehen Sie auch dieses Vorhaben mit Skepsis?

Das Problem ist, dass die bei entsprechendem Wind erzeugte große Strommenge nicht einfach in das vorhandene Netz eingespeist wird, es ist in der Regel dafür gar nicht ausgelegt. So kann es erforderlich werden, die erzeugten Strommengen über neu zu bauende Hochspannungsleitungen abzuleiten. Außerdem wird durch die Einspeisung von Windstrom an anderer Stelle Energie vergeudet verbunden mit einem stark erhöhten Ausstoß an CO2.

Werden Sie folglich versuchen, weitere Windräder in Haltern zu verhindern?

Ich erinnere an November 2005, als wir mit 11384 Unterschriften nach Düsseldorf gefahren sind, um CDU und FDP einen Windkrafterlass, wonach ein Mindestabstand von 1000 Metern zur Wohnbebauung einzuhalten ist, abzuringen. Jetzt soll diese Vorgabe wieder zu Fall gebracht werden, Höhen und Abstände sollen keine Rolle mehr spielen. Wir können im Augenblick nichts unternehmen, weil eine Klage zu teuer würde. Aber wir werden alles tun, um unseren Standpunkt nach außen zu tragen.

Welche Sorge haben Sie?

Die berechtigte Sorge, dass in Haltern nicht verantwortungsbewusst mit dem Thema Windkraft umgegangen wird. Es stimmt nicht, dass Menschen mit Begeisterung von dieser alternativen Energie sprechen.

Aber bringt sie nicht doch zumindest einigen Halternern Vorteile?

Ich kann Landwirte verstehen, die ihre Flächen für Windkraftanlagen nutzen oder vermarkten wollen. Das Erneuerbare-Energiegesetz garantiert Einspeisevergütungen über 20 Jahre hinweg. Gesetzlich ist das legal, aber damit nehmen Investoren keine humanitäre Haltung ein. Es profitieren nur wenige, belastet werden die Stromverbraucher. Windstrom wird etwa mit dem dreifachen Preis einer konventionell erzeugten Kilowattstunde vergütet. Milliardengewinne versprechen sich natürlich auch die großen Stromkonzerne. Es geht bei der Windkraft ums Geldverdienen, nicht um den Umweltschutz. Das ist dem Gemeinsinn wenig zuträglich.

Würde zumindest ein Bürgerwindrad einen Ansatz von Gemeinsinn beinhalten?

Eine Bürgerbeteiligung ist nicht unbedingt ein Gewinn, nicht jede wurde bislang mit einer Rendite belohnt, manche endet mit einem Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Sie sagen, jedes Windrad zusätzlich, ist ein Schandfleck.

Ist diese Ansicht nicht zu drastisch?

Wenn Energieerzeugung per Windkraft positive Aspekte hätte, könnte ich mich mit dem Makel sogar anfreunden. Es gibt über 200 Bürgerinitiativen in NRW gegen Windkraft, die Mitglieder sind keine Querulanten, sondern besitzen handfestes Wissen. Windräder, nur als Beispiel, verursachen Infraschall, nicht hörbaren, aber fühlbaren Schall. Er führt dazu, dass man in der Nähe eines Windrades nachts nicht schlafen kann, weil die Erdoberfläche ständig in Bewegung ist.

Wenn Sie gegen Windräder sind, welche Form der Energiegewinnung favorisieren Sie dann?

Eine Alternative wäre, die Energieversorgung zu dezentralisieren. Zum Beispiel durch Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, bis jetzt haben wir auch gut mit Kohlekraftwerken gelebt. Kernenergie war eine weitere Lösung, allerdings von Beginn an zeitlich befristet. Unproblematisch ist Energieerzeugung nie. Man muss wissen, dass sie immer mit Nachteilen erkauft wird.
 

 Hierzu schreibt unser Ortsverbandsvorsitzender  Markus Hoffmann die folgende Entgegnung:

Gegenrede zum Artikel „Es geht nur ums Geldverdienen“ / Interview mit Herrn Walter Beuth in der Halterner Zeitung vom 25.05.2011

Sicherlich hat Herr Beuth schon mit einer Gegenrede zu seinem Interview und dem Artikel vom 25. Mai „Es geht nur ums Geldverdienen“ gerechnet.
Viele der von Herrn Beuth aufgeführten Argumente gegen die Stromerzeugung erinnern an Epochen der menschlichen Entwicklung in denen sich einzelne Menschen immer wieder gegen notwendige Veränderungen ausgesprochen haben. Als Demokrat habe ich hohen Respekt vor Personengruppen, die im Rahmen der demokratischen Grundsätze dieses Staates ihre abweichenden Meinungen äußern oder auch für die Beibehaltung des „Status Quo“ kämpfen.
Als mündiger Bürger dieser Gesellschaft möchte ich Herrn Beuth und der Bürgerinitiative gegen Windkraftanlagen in einigen Punkten deutliche widersprechen:
Wir brauchen eine Energiewende! Und einen wichtigen Teil zu dieser Energiewende wird die Windenergie beitragen. Noch fehlende Speicherkapazitäten und die Diskussion über einen zum Teil notwendigen Ausbau der Übertragungsnetze können doch nicht das Argument gegen die schadstofflose Produktion von elektrischer Energie aus der Windkraft sein. Hier gilt es Forschungs- und Entwicklungskapazitäten zu vervielfachen um diese Technologien möglichst schnell effizient einsetzen zu können. Viele Expertinnen und Experten sagen deutlich, dass dieses in einer überschaubaren Zeit (10 bis 30 Jahre) möglich ist.
In Deutschland arbeiten zurzeit viele renommierte Institute und Organisationen an Szenarien, wie eine Umstellung unserer Energieversorgung auf Erneuerbare Energien gelingen kann. Dieses Umdenken hätte schon viel früher einsetzen müssen. Es ist doch gerade der Fehler der Vergangenheit, dass viel zu lange auf endliche fossile Ressourcen und deren schadstoffhaltige Verbrennung zur Energieproduktion gesetzt wurde. Die globale Erwärmung ist doch keine bloße Theorie von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mehr, die sich gerne mit diversen Rechenbeispielen beschäftigen. In vielen Regionen dieser Welt ist der Klimawandel unmittelbar spürbar und der Zusammenhang mit der Verbrennung von fossilen Ressourcen zur Energiegewinnung oder als Treibstoff im Verkehrsbereich wird von keiner seriösen Seite mehr bezweifelt. In diesem Zusammenhang zu sagen „bis jetzt haben wir auch gut mit Kohlekraftwerken gelebt“, wie es Herr Beuth in seinem Interview tut, ist daher für mich absolut unverständlich.
Ja, jede Form der Energiegewinnung hat auch ihre Schattenseiten. Mit absoluter Emissionseutralität lässt sich unser stetig steigender Energiebedarf nicht decken. Daher bedarf es gerade eines Energiemixes von Erneuerbaren Energien um Vor- und Nachteile der einzelnen Technologien möglichst gut miteinander in Einklang zu bringen. Wir brauchen aber auch ein generelles Umdenken. Energiesparen und Energieeffizienz müssen handlungsleitend für alle Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft aber auch für jeden Einzelnen werden.   Für mich wäre daher ein konstruktiver und breiter gesellschaftlicher Diskurs viel sinnvoller als eine Verweigerungshaltung wie z.B. beim Ausbau von Windkraftanlagen. Es geht nämlich nicht ums „Geldverdienen“ es geht um nicht weniger als die „Zukunft unserer Gesellschaft“.

Markus Hoffmann
Sprecher Bündnis 90/DIE GRÜNEN OV Haltern am See    
 

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Landtagskandidat

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