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Die Energiewende verwischt nicht nur ideologische Grenzen. Sie trifft in den Dörfern, wo Windanlagen geplant sind, auch auf unterschiedliche Meinungen darüber, welche Opfer man den Bewohnern zumuten darf. Ein Beispiel ist Hullern. Dort gibt es eine aktive Bürgerinitiative gegen Windräder und dort wohnt seit 1979 Anette Fleuster, Ratsmitglied der Grünen, Vorsitzende des Umweltausschusses, leidenschaftliche Befürworterin der Energiewende und der Windkraft.
Mit ihr sprach Irene Stock
Windkraft spaltet ein Dorf
Die Umweltausschussvorsitzende in Haltern am See: Anette Fleuster (Bündnis 90/Die Grünen) Foto: Schypulla
Haltern am See. Die Energiewende verwischt nicht nur ideologische Grenzen. Sie trifft in den Dörfern, wo Windanlagen geplant sind, auch auf unterschiedliche Meinungen darüber, welche Opfer man den Bewohnern zumuten darf. Ein Beispiel ist Hullern. Dort gibt es eine aktive Bürgerinitiative gegen Windräder und dort wohnt seit 1979 Anette Fleuster, Ratsmitglied der Grünen, Vorsitzende des Umweltausschusses, leidenschaftliche Befürworterin der Energiewende und der Windkraft. Mit ihr sprach Irene Stock.
Muss eine Atomkraftgegnerin zwingend für Windenergie sein?
Ich begrüße den über Parteigrenzen hinweg gefundenen Konsens zum Ausstieg aus der Atomenergie und zum Ausbau der regenerativen Energien; dazu gehört die Windenergie als ein wichtiger Baustein. Es ist doch positiv, dass die unerschöpfliche Energie des Windes in elektrischen Strom umgewandelt werden kann. Im Übrigen haben alle (Hullerner) Ratsmitglieder dem Offenlegungsbeschluss zur Änderung des Flächennutzungsplanes für die Ausweisung von Vorrangzonen für die Windenergie ohne inhaltliche Kritik zugestimmt. Zuschnitt und Lage der für Hullern geplanten Zone waren dabei bekannt.
Wie ist die Stimmung im Dorf?
Es ist ein respektvoller Umgang miteinander. Auch im Gespräch mit der Hullerner Bürgerinitiative (BI) wurde sachlich argumentiert. Es gibt auch Dorfbewohner die sagen, wir brauchen die Energiewende und die sich freuen, wenn in Hullern dezentral Energie produziert wird.
Kritisch betrachte ich allerdings die Aktion „Ein Herz für Hullern“ und die von der BI ausgegebenen Gartenpfähle für die Vorgärten. Diese Aktion unterstellt automatisch, dass andere kein Herz für Hullern haben und stigmatisiert die, die keinen Gartenpfahl im Vorgarten haben.
Wie begegnen Sie dem Widerstand in Hullern gegen die Windkraft?
Weil ich mich als Person politisch für den Ausbau der regenerativen Energien einsetze, kann ich nicht gleichzeitig protestieren, wenn vor meiner Haustür Windräder geplant sind. Deshalb kann ich mich der BI nicht anschließen. Das erkläre ich den Menschen so, nehme aber die vorgetragenen Argumente sehr ernst.
Wie werden Sie in der Ratssitzung am 8. Dezember abstimmen?
Meine Position ist: Grundsätzlich kann ich mir vorstellen, dass Windräder in der Vorrangzone V gebaut werden. Die endgültige Entscheidung meiner Fraktion hängt aber von der Bewertung der Einwendungen und der noch ausstehenden Artenschutzrechtlichen Prüfung/Teil 2 (besonders Bodenbrüter und Fledermäuse) ab. Mir ist wichtig, dass wir auch weiterhin anständig miteinander umgehen, ob die Zone nun kommt oder nicht.
Kann es gelingen, die Windkraft auszubauen, ohne dass die Bürger überall gegen die „Verspargelung der Landschaft“ protestieren?
Ja, wenn wir Akzeptanz schaffen, indem wir zwingend Vorrangzonen ausweisen und damit die Verspargelung verhindern, eine umfassende Bürgerinformation anbieten, Bürger finanziell an den Windrädern beteiligen und Moderatoren einsetzen, die den Bürgern Windräder vermitteln. Leider haben wir das nicht mehr so in der Hand, weil sich Landwirte an die WWU Wind gebunden haben.
Könnten Sie sich bessere Flächen vorstellen?
Nein, wenn Hullern, wie die anderen Ortsteile auch, eine Zone haben soll, fällt mir keine bessere ein. Bei der Zone V handelt es sich um eine intensiv landwirtschaftlich genutzte strukturarme Fläche, in deren Nähe eine Hochspannungsleitung verläuft, die allerdings umgeben ist von wertvollen Landschaftsteilen, zum Beispiel FFH-Gebiet Lippeauen, Naturschutzgebiet Westruper Heide, Vogelschutzgebiet Borkenberge. Die Frage, ob dort schützenswerte Tierarten beeinträchtigt werden, muss durch die artenschutzrechtliche Prüfung geklärt werden.
Immerhin läge das nächste Windrad 300 Meter vom Dorf entfernt.
Nein, das stimmt nicht. In der aktuellen Planung liegen 550 Meter zwischen Wohnbebauung und Grenze der Vorrangzone. Ziel müsste sein, die Zone V zu verkleinern und die Windradanlagen möglichst weit vom Dorf zu platzieren. Denkbar wären 750 bis 1500 Meter.





